Kommunikation mit Amerikanern und für Amerikaner: What the #$%& is a Kalenderwoche?

Unterschiedliche Gegebenheiten in Deutschland und den USA stiften häufig Verwirrung auf beiden Seiten – so vermeiden Sie Missverständnisse in der Kommunikation mit Amerikanern und für Amerikaner.[/caption]

Kommunikation mit Amerikanern und für Amerikaner: What the #$%& is a Kalenderwoche?

Am US-amerikanischen Standort Ihres Unternehmens ist dringend eine Stelle zu besetzen, die u.a. auf Ihrer Website ausgeschrieben ist. Das Datum der Stellenausschreibung: 4.12.2017. Mary Smith und John Miller – beide ansässig am Ort Ihrer US-Tochter – sind auf Jobsuche und sind ideale Kandidaten für die zu besetzende Stelle. Beide lesen die Stellenausschreibung kurz nachdem diese online gestellt wurde und sind zunächst sehr interessiert, entscheiden sich aber, sich nicht zu bewerben, nachdem sie das Datum der Stellenausschreibung sehen. Sie gehen davon aus, dass die Stelle mittlerweile besetzt ist, nachdem es sich aus ihrer Sicht beim 4.12.2017 – dem amerikanischen Datumsformat entsprechend – um eine Stellenausschreibung vom 12. April 2017 handelt. Da Ihr Unternehmen das deutsche anstatt das amerikanische Datumsformat verwendet hat, kam es aufseiten der Interessenten zu einem Missverständnis, das Sie womöglich um die besten Bewerber gebracht hat.

Nach einer E-Mail-Korrespondenz zwischen einigen Ihrer Teammitglieder und Mitarbeitern eines US-amerikanischen Zulieferers werden mehrere Beschwerden an Sie herangetragen: Die amerikanischen Geschäftspartner werden von Ihrem Team als unzuverlässig und ruppig empfunden. Unter anderem wurden Ihre Teammitglieder von den amerikanischen Mitarbeitern schon in der ersten E-Mail mit Vornamen angesprochen; teilweise gingen die Amerikaner in ihren Emails ohne Anrede in medias res, und auch zu einer Grußformel am Ende der E-Mail ließ man sich auf der anderen Seite des Großen Teichs nicht herab. Darüber hinaus hatte Ihr Projektmanager einigen amerikanischen Mitarbeitern eine Übersicht mit Deliverables für Ihr Projektmanagement gemailt, die mit der jeweiligen Kalenderwoche angegeben waren (die Übersicht war auf Englisch übersetzt und „KW“ – „Kalenderwoche“ – dabei entsprechend mit „CW“ abgekürzt worden). Die amerikanischen Mitarbeiter wurden gebeten, am Ende der anberaumten Kalenderwochen Rückmeldung zum Status des jeweiligen Deliverables per E-Mail zu schicken. Leider erfolgten die Updates dann aber selten pünktlich, sondern erst verspätet auf ausdrückliche Nachfrage Ihres Projektleiters.

Für eine effektive Kommunikation – privat wie auch beruflich und schriftlich wie mündlich – mit Menschen aus anderen Kulturen sind Kenntnis und Berücksichtigung der kulturellen Unterschiede unerlässlich.

Ich habe für Sie hier die wichtigsten Unterschiede zwischen der deutschen und US-amerikanischen Kultur in der Geschäfts- und Unternehmenskommunikation zusammengefasst (die aber durchaus auch auf private Kommunikation Anwendung finden) und biete Vorschläge, wie unterschiedliche Gegebenheiten praktisch gehandhabt werden können.

Datumsformat verdreht

Das amerikanische Datumsformat: Monat, Tag, Jahr. Der 4.12.2017 – oder 14. Dezember 2017 – beispielswese wäre also im Amerikanischen 12/4/2017 oder 12-4-2017. Wesentlich seltener sieht man v. a. bei offiziellen Anlässen wie etwa einer Einladung zu einer festlichen Veranstaltung: 12.4.2017. Ausgeschrieben: December 4, 2017 (kein „th“ – ein häufiger Fehler –, dafür aber ein Komma nach der Ziffer, die den Tag bezeichnet).

Weitere Beispiele:
6.11.2016 bzw. 6. November 2016 im amerikanischen Format: 11/6/2016 (oder 11-6-2016, ausgeschrieben „November 6, 2016“).
11.6.2016 bzw. 11. Juni 2016 im amerikanischen Format: 6/11/2016 (oder 6-11-2016 bzw. ausgeschrieben „June 11, 2016“).

Die unterschiedlichen Datumsformate können bei der Kommunikation zwischen Deutschen und Amerikanern Verwirrung stiften, vor allem wenn einige der deutschen Teammitglieder oder deutsche Mitarbeiter eines Unternehmens das amerikanische Datumsformat kennen und dieses in der Kommunikation mit Amerikanern anwenden, während andere das deutsche Datumsformat nutzen.

Um Missverständnissen vorzubeugen empfehle ich, dass Sie in Ihrer internationalen Kommunikation bei Datumsangaben den Monat ausschreiben (oder zumindest abkürzen – im Englischen also beispielsweise „Jan.“, „Feb.“, „Oct.“ usw.). Enthält Kommunikation aus dem Ausland Datumsangaben, die nicht eindeutig sind, so sollten Sie den Absender bitten, das korrekte Datum zu bestätigen und künftig bei Datumsangaben den Monat auszuschreiben.

Für internationale Unternehmen mit Officesprache Englisch rät sich, intern unternehmensweit bzw. standortübergreifend als Norm bzw. Regelung festzulegen, dass bei Datumsangaben der Monat ausgeschrieben (oder zumindest abgekürzt) wird.

We don’t do Kalenderwochen 

In Deutschland wird ein Zeitraum häufig mit den entsprechenden Kalenderwochen angegeben, beispielsweise „Kalenderwoche 24“ und entsprechend mit „KW“ abgekürzt: „KW 24“.

Die Angabe von Kalenderwochen ist in den USA nicht gängig. Vor allem, wenn Sie „Kalenderwoche“ übersetzen und abkürzen – „CW 30“ –, wird kaum ein Amerikaner verstehen, was gemeint ist. Formulieren Sie anstatt dessen „the week of“ und nennen Sie das Datum des Montags, mit dem die jeweilige Kalenderwoche beginnt. „Kalenderwoche 30“ in 2018 wäre also im Amerikanischen „the week of July 23, 2018“ oder „the week of 7/23/18“, „Kalenderwoche 44” wäre „the week of October 29, 2018” oder „the week of 10/29/18”.

Uhrzeitformat – eins bis zwölf oder „military time“?

Uhrzeiten werden in Amerika mit den Ziffern bzw. Zahlen eins bis zwölf angegeben. Uhrzeiten von 12 Uhr (Mitternacht) bis 11.59 Uhr folgt dabei die Abkürzung „a.m.“, Uhrzeiten von 12 Uhr (mittags) bis 23.59 Uhr folgt die Abkürzung „p.m.“. Zwischen Stunde und Minute wird ein Doppelpunkt gesetzt und vor „a.m.“ oder „p.m.“ eine Leerstelle. Das amerikanische Format für 8.05 Uhr (oder 8:05 Uhr) beispielsweise ist 8:05 a.m., 20.05 Uhr (oder 20:05 Uhr) dagegen wird in den USA als 8:05 p.m. ausgedrückt.

Handelt es sich um eine Uhrzeitangabe zu einer vollen Stunde wie etwa 7 Uhr, so ist es im Amerikanischen wie auch im Deutschen nicht notwendig, Minuten mit „00“ anzugeben: 7 a.m. reicht in diesem Fall aus. Ausnahme: im selben Satz erfolgt eine Uhrzeitangabe zu einer vollen Stunde und eine Uhrzeitangabe mit Minuten; in diesem Fall sollte auch die Uhrzeit zur ganzen Stunde mit „00“ angegeben werden. Beispiel: „From 8:00 a.m. to 1:30 p.m.“.

Das deutsche Format, bei dem die Zahlen 13 bis 24 verwendet werden, ist in den USA – außer im Militär, deswegen als „military time“ bezeichnet –, weitgehend unüblich. Deshalb empfiehlt es sich, Uhrzeitangaben im deutschen Format in der Kommunikation mit Amerikanern entsprechend zu lokalisieren.

Wichtig ist es außerdem, auf die jeweilige Zeitzone zu achten: die sechs in den USA gebräuchlichen Zeitzonen sind Eastern Standard Time oder Eastern Time (abgekürzt als EST bzw. ET), Central Standard Time oder Central Time (oder CST bzw. CT), Mountain Standard Time oder Mountain Time (MST bzw. MT), Pacific Standard Time oder Pacific Time (PST bzw. PT), Alaska Standard Time (AKST) und Hawaii-Aleutian Standard Time (HST). Mitteleuropäische Zeit – oder MEZ – wird als „Central European Time“ bezeichnet und mit „CET“ abgekürzt.

(Daneben wird die Sommerzeit – oder „daylight-saving time“ – manchmal entsprechend abgekürzt. Allerdings halte ich diese Angabe nicht unbedingt für notwendig; es genügt, wenn Sie herausfinden, welche Uhrzeit in der jeweiligen US-Zeitzone aktuell der mitteleuropäischen entspricht und Sie diese mit einer der o.g. Abkürzungen kommunizieren.)

Machen Sie in Ihrer Kommunikation mit Amerikanern Zeitangaben, so ist es in der Regel ratsam, die Zeitzone des Empfängers bei der Uhrzeitangabe mit aufzuführen, um Missverständnisse zu vermeiden.

Schicken Sie also beispielsweise einem Geschäftspartner in Miami eine Einladung zu einer Telefonkonferenz, die um 15 Uhr MEZ beginnt, so empfiehlt es sich, die Uhrzeit als „9 a.m. EST“ anzugeben oder sogar beide Zeitzonen – die mitteleuropäische und die amerikanische – zu nennen: „3 p.m. CET/9 a.m. EST“. Laden Sie zu Ihrer Telefonkonferenz mehrere Amerikaner ein, die sich in unterschiedlichen Zeitzonen aufhalten, so reicht es in der Regel, wenn Sie eine Zeitzone angeben. Amerikaner sind den Umgang mit den unterschiedlichen Zeitzonen gewohnt, und ein Kalifornier weiß, dass „9 a.m. EST“ für ihn 6 Uhr morgens – also „6 a.m. PST“ – bedeutet.

Die Zeitumstellung von Sommer- auf Winterzeit und umgekehrt erfolgt in den Vereinigten Staaten in der Regel nicht zu den selben Daten wie in Deutschland, d. h. während dieser Zeit ist der Zeitunterschied zwischen Mitteleuropa und den jeweiligen US-Zeitzonen eine Stunde weniger bzw. mehr als sonst. (Eine Ausnahme bilden die Bundesstaaten Arizona und Hawaii sowie einige der amerikanischen Außengebiete wie Puerto Rico, in denen es keine Zeitumstellung von Sommer- auf Winterzeit und umgekehrt gibt.)

Wie lang, bitteschön, ist ein Meter?

In den USA wird nicht wie in Deutschland das metrische Einheitensystem verwendet, sondern das Maßsystem der „customary units“. Längen, Größen oder Distanzen werden also beispielsweise nicht in Millimetern, Zentimetern, Metern oder Kilometern angegeben, sondern in „inches“, „feet“, „yards“ und „miles“. Ebenso werden Flüssigkeiten nicht in Millilitern oder Litern gemessen, sondern in „ounces“, „quarts“ und „gallons“.

Wenn Sie also auf Ihrer Website oder in einer Pressemitteilung stolz von Ihrer Werkserweiterung berichten und die Größe Ihrer (neuen oder erweiterten) Produktionsfläche in Quadratmetern angeben, so werden Sie kaum einen Amerikaner damit vom Hocker reißen: Die breite Mehrheit der Amerikaner kann mit Quadratmetern nichts anfangen. Hier sollten Sie unbedingt lokalisieren: Rechnen Sie für Ihre amerikanische Website bzw. für Ihre englische Pressemitteilung auf „square feet“ um (und führen Sie diese zumindest in Klammer hinter der Quadratmeterangabe mit auf)!

Ebenso werden die meisten Amerikaner nicht einschätzen können, ob 50 km ein Spaziergang oder eine Autofahrt bedeutet – besser ist hier die Angabe „(approximately) 31 miles“.

Und während der Deutsche 80 Grad in der Regel nur in der Sauna erlebt, ist diese Temperatur für einen Amerikaner durchaus üblich an einem schönen Frühlings- oder Sommertag – so unterschiedlich sind Celsius und Fahrenheit.

Verwenden Sie in Ihrer Kommunikation also Maßangaben, so empfiehlt es sich unbedingt, für amerikanische Empfänger oder Zielgruppen entsprechend zu lokalisieren.

Anschreiben: unser Zeichen/Ihr Zeichen. Our sign/your sign?

Der amerikanische Brief(kopf) ist anders aufgebaut als der deutsche. Das Datum – im typisch amerikanischen Datumsformat – steht ganz oben links (und grundsätzlich ohne Ortsangabe – also nicht wie in Deutschland teils bei Briefen üblich „Berlin, 2.1.2018“). Darunter folgen Name und Adresse des Absenders, darunter nach einigen Leerzeilen Name und Anschrift des Empfängers. Darunter ggf. die Betreffzeile (in der Regel gefettet), darunter Anrede und Text.

Wird der Titel des Absenders und/oder Empfängers angegeben, so steht dieser unterhalb des Namens; wird der Name eines Unternehmens angegeben, so steht dieser unterhalb des Namens des Empfängers bzw. Absenders (oder des Titels, wenn ein solcher angegeben wird).

Die förmliche Anrede im Brief lautet „Dear“ vor dem Namen des Empfängers, gefolgt von Doppelpunkt, also beispielsweise „Dear Mr. Smith:“ oder „Dear Mary:“. Die gebräuchlichsten Grußformeln am Ende des Briefs sind „Sincerely“, „Best regards“ oder „Kind regards“, jeweils gefolgt von einem Komma.
In Deutschland teils verwendete Angaben wie „Unser Zeichen/Ihr Zeichen“, „Ihre Nachricht vom“ oder Angaben zu Bankverbindung und Gerichtssitz in der Fußzeile werden in den USA nicht gemacht.

Beispiel für den Aufbau eines amerikanischen Briefs:

January 2, 2018 (Datum)

Mary Smith (Name des Absenders)
Account Manager (Ggf. Titel des Absenders)
ABC Company (Ggf. Unternehmen des Absenders)
123 Main St. (Hausnummer und Straße des Absenders)
Keller, TX 76244 (Stadt, Bundesstaat und Postleitzahl des Absenders)
(„USA“ als Land des Absenders, sofern die Empfängeranschrift eine ausländische ist)

John Miller (Name des Empfängers)
Senior Buyer (Ggf. Titel des Empfängers)
XYZ Company (Ggf. Unternehmen des Empfängers)
456 Broadway (Hausnummer und Straße des Empfängers)
Tucson, AZ 85710 (Stadt, Bundesstaat und Postleitzahl des Empfängers)
(Land des Empfängers, sofern außerhalb der USA)

Your inquiry from 12/27/2017 (Betreffzeile)

Dear John: (Anrede, in der Regel im formellen Anschreiben gefolgt von Doppelpunkt)

Text

Sincerely, (Grußformel, gefolgt von Komma)
Unterschrift des Absenders

Mary Smith (Name des Absenders)
Manager Customer Service (Ggf. Titel des Absenders)

Unternehmen in Deutschland wie in den USA verfügen in der Regel über ihr individuelles Briefpapier, auf dem die entsprechenden Angaben zum Unternehmen schon vorgedruckt sind. In den USA findet sich dabei die Adresse des Unternehmens entweder oben oder ganz unten in der Fußzeile des Briefbogens. Wird ein solcher Briefbogen genutzt, so sind selbstverständlich nur Datum und Angaben zum Empfänger (Name, ggf. Titel und Unternehmen sowie Adresse) einzugeben.

Wird ein Brief an einen amerikanischen Empfänger auf Englisch verfasst, so empfehle ich, den Brief wie hier beschrieben im amerikanischen Format aufzubauen, soweit möglich (wird individuelles Briefpapier des Unternehmens verwendet, so sind die Angaben zum Absender eben schon vorgedruckt). Wird ein Brief auf Deutsch verfasst und an einen Empfänger im Ausland geschickt, so sollte der Brief nach den in Deutschland für Briefe üblichen Regeln aufgebaut sein mit Ausnahme der Empfängeranschrift: Der Aufbau dieser richtet sich nach dem im Empfängerland üblichen Format.

Für deutsche Unternehmen mit Standort im Ausland empfiehlt es sich unbedingt, für Unternehmenskommunikation, die vom ausländischen Standort verschickt wird, das jeweilige landesübliche Briefformat zu verwenden – für Unternehmenssitz in den USA also mit einem Aufbau wie hier beschrieben.

E-Mails ohne Anrede – sind die Amis stoffelig?

Die Anrede in Emails kann formell sein wie im Brief – „Dear John,“ oder „Dear Mrs. Smith,“ kann aber je nach Gegebenheit flexibel gewählt werden. „Hello John,“ oder „Good afternoon team,“ kann durchaus angebracht sein und ist gängig. Amerikaner sind dabei im Schnitt wesentlich informeller als Deutsche. Nach der Anrede in einer E-Mail wird im Normalfall ein Komma gesetzt. Die Grußformel am Ende der E-Mail lautet in der Regel „Best regards“ oder „Kind regards“, kann aber auch je nach Zusammenhang variieren. Im letzten Absatz finden Sie wichtige Anhaltspunkte, wann in Amerika die Anrede mit Vornamen bzw. mit Nachnamen oder Titel üblich ist.

In einem E-Mail-Thread werden in den USA in der Regel nur in der jeweils ersten Email des Absenders und Empfängers Anrede und Grußformel verwendet, danach erfolgt die Korrespondenz innerhalb des Threads ohne diese. In Deutschland wird oftmals auch bei weiteren Emails innerhalb eines Threads Anrede und Grußformel verwendet. Die amerikanische Praxis, diese wegzulassen, mag auf einen Deutschen unhöflich wirken; in den USA dagegen werden Emails im selben Thread als fortgesetzter Dialog betrachtet, weswegen nicht immer wieder Anrede und Grußformel gebraucht werden.

E-Mail – automatische Abwesenheitsnotiz

In einer amerikanischen Abwesenheitsnotiz wird, wie auch in Deutschland üblich, das Datum oder der Zeitraum der Abwesenheit angegeben, ggf. Erreichbarkeit des Mitarbeiters per Handy und ggf. Namen und Kontaktdaten von Kollegen, die während dieser Zeit vertreten. Sind Gründe für die Abwesenheit Krankheit, Mutterschutz oder Elternzeit, so wird dies grundsätzlich nicht angegeben. Nach amerikanischem Arbeitsrecht ist es sogar gesetzeswidrig, von einem Mitarbeiter zu verlangen, diese Gründe in der automatischen Abwesenheitsnotiz anzugeben. Selbst wenn also am deutschen Standort bzw. Stammsitz eines Unternehmens Mitarbeiter standardmäßig in ihrer Abwesenheitsnotiz Formulierungen zu Abwesenheit wegen Krankheit, Mutterschutz oder Elternzeit verwenden, kann von Mitarbeitern am amerikanischen Standort nicht verlangt werden, dass sie einen solchen Grund in ihrer Abwesenheitsnotiz nennen.

Ist der amerikanische Mitarbeiter aufgrund eines Feiertags nicht im Office, so wird dies manchmal im Wortlaut angegeben, wie etwa „In observance of Independence Day, I will be out of the office on July 4.“ Ebenso werden manchmal eine Geschäftsreise oder eine Schulung als Grund für die Abwesenheit angeführt: „I will be traveling for business on December 27, 2017, with limited access to my emails and cell phone” oder “I will be out of the office for training on December 27, 2017, with no access to my emails and cell phone” oder “I will be attending the World Conference of Translators from 12/27 through 12/29 with very limited access to my emails and cell phone”.

Wird eine Abwesenheitsnotiz auf Englisch verfasst, so empfiehlt es sich, um Missverständnisse zu vermeiden, das amerikanische Datumsformat zu verwenden und dabei den Monat auszuschreiben.

Beispiele für gängige Formulierungen von Abwesenheitsnotizen:

„Dear Sender,
Thank you for your email. I will be out of the office from January 1 through January 5, 2018, with no access to my emails and cell phone. I will reply to your message upon my return to the office on January 8, 2018. In urgent cases, please contact Mary Smith at mary.smith@abc-company.com or at (123) 456-7899.”

“In observance of Thanksgiving, our office will be closed on November 23 and 24. We will reopen on Monday, November 27.”

Anrede in den USA – Vorname oder Nachname? (You can say „you” to me.)

Amerikaner sind im Schnitt wesentlich informeller in der Kommunikation als Deutsche. Lernt man beispielsweise privat oder geschäftlich neue Menschen kennen, so stellt man sich in den USA fast immer mit Vornamen vor (manchmal stellt man sich mit Vor- und Nachnamen vor, spricht einander dann aber mit Vornamen an). Innerhalb eines Unternehmens spricht man einander unabhängig von Position und Dauer der Unternehmenszugehörigkeit in der Regel mit Vornamen an. So ist es üblich, dass selbst der vierundzwanzigjährige Berufseinsteiger den sechzigjährigen CEO mit Vornamen anspricht.

Davon gibt es natürlich Ausnahmen. Um bei der Kommunikation mit Amerikanern weder distanziert zu wirken noch ins Fettnäpfchen zu treten, empfehle ich folgende Faustregeln:

• Stellt sich ein Amerikaner beim Erstkontakt mit Vornamen vor – beispielsweise in einer Email, am Telefon oder persönlich – so signalisiert er, dass er mit Vornamen angesprochen werden darf. Umgekehrt wird man sich dann in der Regel auch mit Vornamen vorstellen oder beispielsweise in einer E-Mail in der Grußformel (nur) den Vornamen verwenden.

• Stellt sich ein Amerikaner mit Vor- und Nachnamen vor, so kommt es auf die Art der Beziehung an. Handelt es sich etwa um einen Kollegen am amerikanischen Standort Ihres Unternehmens, der sich in seiner ersten Email oder telefonisch vorstellt oder lernen Sie den Nachbarn oder Bekannten Ihres amerikanischen Freundes bei dessen Grillfest kennen, so spricht in der Regel nichts dagegen, diese mit Vornamen anzureden.

• Treten Sie dagegen zum ersten Mal in einem geschäftlichen Rahmen beispielsweise mit einem Kunden, Interessenten, Rechtsanwalt oder Universitätsdozenten in Kontakt, so empfiehlt es sich, auf Nummer sicher zu gehen und die Person mit Nachnamen anzusprechen – beispielsweise „Mr. Smith“ oder „Mrs. Miller“. Signalisiert die Person daraufhin oder zu einem späteren Zeitpunkt direkt, dass sie mit Vornamen angesprochen werden darf – beispielsweise durch eine verbale Aufforderung wie „Call me Bill!“ – oder indirekt, indem sie beispielsweise eine E-Mail mit Vornamen in der Grußformel beendet oder sich telefonisch mit Vornamen meldet („Hi, this is Bill!“), so kann durchaus auf die Anrede mit Vornamen übergegangen werden.

• Hat die Person einen akademischen Titel – MD, DO, PhD oder Professor – so sollte der Titel, wie auch in Deutschland üblich, unbedingt in der Anrede verwendet werden: „Dr. Smith“ oder „Professor Miller“. (Die Titel „MD“, „DO“ und „PhD“ lauten in der Anrede sowohl mündlich als auch schriftlich „Doctor“ bzw. „Dr.“.)

• Auf Namensschildern etwa von Mitarbeitern in einem Geschäft, am Schalter oder auf einer Messe sowie beispielsweise von Seminarteilnehmern wird in den USA oftmals nur der Vorname angegeben. Wird Vor- und Nachname angegeben, so erfolgt jedenfalls nicht, wie in Deutschland teils üblich, die Angabe von „Mr.“ oder „Mrs.“ Einem amerikanischen Mitarbeiter ein Namensschild mit „Mrs. Smith“ oder „Mr. John Miller“ zu verpassen, wäre wahrscheinlich sowohl für den Mitarbeiter wie auch für andere Amerikaner – etwa Kunden, Geschäftspartner oder Schulungsteilnehmer – befremdlich. Arbeiten Deutsche und Amerikaner beispielsweise auf einer internationalen Messe zusammen oder nehmen sie gemeinsam an einer Schulung teil, so ist die Angabe von Vor- und Nachname auf Namensschildern ein guter Kompromiss.

• Vorsicht geboten ist bei der Anrede von Frauen: Sofern sich die Dame nicht selbst mit „Mrs.“ vorgestellt hat, sollte sie sicherheitshalber – schriftlich wie mündlich – neutral mit „Ms.“ angeredet werden. Für verheiratete Frauen ist zwar die Anrede „Mrs.“ korrekt und gängig; manche Frauen bevorzugen aber dennoch die Anrede „Ms.

Situationen, in denen auch in den USA eine Anrede mit Nachnamen (und ggf. Titel) üblich ist:
Lehrer oder Dozenten (auch, wenn man mit den Lehrern seiner Kinder kommuniziert)

Ärzte in einem formellen Patient-Arzt-Verhältnis

Kinder reden  in der Regel Erwachsene mit Nachnamen und „Mr.“ bzw. „Miss“ oder „Mrs.“ an. Wird für Erwachsene der Vorname verwendet, so wird diesem üblicherweise „Miss“ oder „Mr.“ vorangestellt: „Miss Mary“ und „Mr. Jim“. Erwachsene, die enge Familienfreunde sind, werden ggf. auch von Kindern nur mit Vornamen angeredet.

Sportlehrer oder -trainer werden von Kindern und Jugendlichen, häufig auch von Erwachsenen, mit „Coach“ in Kombination mit dem Vor- oder Nachnamen angeredet: „Coach John“ oder „Coach Smith“.

• Im Militär (bei Vorgesetzten und höherrangigen Mitgliedern Anrede mit Rang und Nachnamen)

H&M, Dove, Nivea & Co. – Rassismus oder mangelnde (inter)kulturelle Kompetenz?

H&M, Dove, Nivea & Co. – Rassismus oder mangelnde (inter)kulturelle Kompetenz?

H&M veröffentlichte am 10. Januar 2018 eine offizielle Stellungnahme, in der sich der Modekonzern für ein Werbebild entschuldigt: Auf dem Bild ist ein Kind afrikanischer Abstammung zu sehen, das einen Hoodie mit der Aufschrift „Coolest Monkey In The Jungle“ („Coolster Affe im Dschungel“) trägt neben einem hellhäutigen Kind im Hoodie mit der Aufschrift „Survival Expert“ („Überlebensexperte“). Das Bild war einige Tage zuvor im englischen Online-Shop des Unternehmens erschienen und löste Empörung in der Öffentlichkeit aus. Das internationale Unternehmen mit Stammsitz in Schweden beteuert, dass der Rassismus in seiner jüngsten Werbeanzeige unbeabsichtigt war.

Es war „keine Absicht“. Jedes Mal.

Die Werbeanzeige ist jedoch umso bedenklicher, als das Unternehmen nicht zum ersten Mal Kritik erntet für mangelnde Sensibilität im Design, Marketing und in der Kommunikation: Im Jahr 2013 nahm H&M Federkopfschmuck aus den Regalen seiner kanadischen Filialen, nachdem sich Kunden darüber beschwert hatten, dass die Accessoires respektlos seien gegenüber der Kultur der Ureinwohner Nordamerikas. Kopfschmuck wird traditionell von Indianerhäuptlingen getragen, ist ein Zeichen von Ehre und Respekt und damit keine Alltagskleidung. „Selbstverständlich ist es nie unsere Absicht, andere zu beleidigen oder als unsensibel zu erscheinen“, sagte eine Sprecherin des Unternehmens. (Im Vorjahr hatten bereits die Modekonzerne Urban Outfitters und Victoria’s Secret Kontroversen ausgelöst, nachdem sie Symbole und Kleidungsstücke nordamerikanischer Ureinwohner für ihre Kollektionen nutzten.)

Und als 2015 die erste Filiale von H&M in Südafrika eröffnet wurde, beschwerte sich eine Kundin auf Twitter über die Tatsache, dass auf den Werbebildern ausschließlich weiße Models abgebildet waren. In der Antwort von H&M auf die Beschwerde war u. a. zu lesen: „[…] es ist uns sehr wichtig, ein positives Bild zu vermitteln. Unser Marketing soll unsere Mode als Inspiration darstellen, um ein positives Gefühl zu vermitteln.“ Damit löste H&M erneut Empörung aus – der Wortlaut der Antwort konnte dahingehend verstanden werden, dass speziell und ausschließlich weiße Models ein positives Bild und ein positives Gefühl vermitteln. In der darauffolgenden Stellungnahme schrieb der Konzern u. a.: „H&M behauptet keinesfalls, dass Positivität an eine ethnische Gruppe gebunden ist.“ Und beteuerte außerdem – und das klingt bekannt –, dass es nicht die Absicht des Unternehmens gewesen sei, andere zu beleidigen.

War es billiger und einfacher als Veränderung?

Wie oft, mag man sich fragen, wird sich H&M noch für „unbeabsichtigtes, kulturell unsensibles Verhalten“ entschuldigen müssen? (Und wie oft wird es noch die Gelegenheit bekommen, sich zu entschuldigen?) Probleme lösen sich selten von allein. Das gleiche Handeln wird in der Regel das gleiche Ergebnis bringen. Ein anderes oder besseres Ergebnis erfordert Veränderung im Verhalten. Wodurch kam es also wiederholt zu Kontroversen und warum hat H&M offensichtlich nichts verändert?

In seiner Stellungnahme gibt das Unternehmen an, dass es aktiv Diversity fördert: „[…] aus unserer Sicht haben wir über die Jahre unseren Teil zur Förderung von Diversity und Inklusion beigetragen und dabei gute Fortschritte gemacht.“ In der Tat waren in den Werbeanzeigen von H&M über die Jahre Models unterschiedlicher Rassen und Ethnien zu sehen. Während viele europäische Unternehmen im Bereich Diversity im Marketing noch hinter amerikanischen Marken zurückstehen, führte ich in der Vergangenheit H&M einem Kunden gegenüber bei der Beratung zu Diversity in der internationalen Werbung als positives Beispiel an.

Wenn Menschen nicht selbst das Ziel von Rassendiskriminierung sind, so sind sie sich in der Tat oftmals nicht dessen bewusst, wie verbreitet Rassismus immer noch ist und was er für die Betroffenen bedeutet. Vielleicht war sich die Person, die das schwarze Model in den „Affen-Hoodie“ steckte, schlicht und ergreifend nicht im Klaren darüber, wie das Wort „Affe“ im Zusammenhang mit dunkelhäutigen Menschen besetzt ist und welche Botschaft dadurch vermittelt werden kann. Eltern (aller Rassen) in englischsprachigen Ländern nennen ihre Kinder manchmal liebevoll oder scherzhaft „monkey“ („Affe“) und, wie Edward Adoo, Afrobrite und Rundfunkpersönlichkeit im Vereinigten Königreich, in seinem Artikel im „Independent“ schreibt, ist „Kontext ganz entscheidend.“ Vielleicht hat sich gerade deswegen auch der Designer des Sweatshirts nichts dabei gedacht. Dennoch ist es Tatsache, dass das Wort „Affe“ seit langer Zeit als rassistische Verunglimpfung verwendet wird und als solche für die Betroffenen schmerzhaft war und ist, ebenso wie Behauptungen und Aussagen zur Überlegenheit der weißen Rasse (die „Experten“ unter den Rassen).

„ […] Marketingpolitik, die Produktion von Kampagnen und unsere Arbeit besprechen wir regelmäßig intern und mit kreativen Profis“, so H&M. Allerdings gab es offensichtlich keine Maßnahmen, die beim Designen von Kleidung, beim Gestalten von Marketingkampagnen, vor der Veröffentlichung von Werbeanzeigen oder bei der Kommunikation in sozialen Medien (inter)kulturelles Bewusstsein und Sensibilität schaffen. Die erste öffentliche Kontroverse im Jahr 2013 wäre eine gute Gelegenheit gewesen, den Bedarf für derartige Maßnahmen zu erkennen und diese zu implementieren. Aber H&M kam glimpflich davon, und damit gab es nicht viel Druck, Veränderungen anzustoßen. Auch im Jahr 2015 ging es nochmal gut aus für das Unternehmen. Ist der Modekonzern jetzt gezwungen, nach der Wurzel des wiederkehrenden Übels zu forschen, nachdem aufgrund der jüngsten Proteste die Aktien des Unternehmens fielen und viele Menschen, einschließlich Prominenter in mehreren Ländern, öffentlich zum Boykott von H&M aufriefen?

Offensichtlich erhält (inter)kulturelles Bewusstsein nicht die Aufmerksamkeit, die ihm zukommen sollte. Für Unternehmen stehen Vertrieb, die Entwicklung und das Design von Produkten, Effizienz in der Produktion, Optimierung von Kundenservice und die Qualifikationen ihrer Mitarbeiter im Fokus. Denn schließlich tragen diese Bereiche zu kontinuierlich steigenden Gewinnen bei (oder zumindest zum Überleben des Unternehmens). Dabei kulturell sensibel zu sein und niemanden zu beleidigen ist gut und schön; vielleicht wird als Zusatzleistung sogar interkulturelles Training für Expats angeboten. Aber im Vergleich zu den meisten anderen Bereichen ist (inter)kulturelle Kompetenz nicht wirklich wichtig. Doch hat sich gerade an einem weiteren Beispiel gezeigt, wie diese Art der Priorisierung einige oder alle anderen Fokuspunkte beeinträchtigen kann: Um wie viel wird der Absatz für H&M nach der jüngsten Kontroverse abnehmen und wie hoch werden die entgangenen Gewinne sein? Wie hoch sind die zusätzlichen Kosten für PR-Krisenmanagement? Wird die mangelnde Begeisterung der Öffentlichkeit für die Marke die Weiterentwicklung in neuen Märkten bremsen und qualifizierte Bewerber abschrecken? Kommen diese finanziellen Folgen das Unternehmen teurer zu stehen als die Kosten für regelmäßiges interkulturelles Training kombiniert mit der Implementierung von kulturell sensiblen Prozessen im Betrieb?

„Zivilisiere Dich Neu—Weiss ist Reinheit“: der Refrain der Unternehmenswelt

Ein Mangel an (inter)kultureller Kompetenz scheint in der Unternehmenswelt recht verbreitet zu sein: Die Seifenmarke Dove sorgte im Oktober 2017 für Proteste, nachdem in einem Werbespot der Marke eine Afroamerikanerin gezeigt wurde, die ihr braunes T-Shirt auszog und sich dabei in eine hellhäutige Frau verwandelte. Sowohl das Unternehmen als auch das afroamerikanische Model, das im Werbespot spielte, beteuern, dass die Intention des Werbespots – zu vermitteln, dass Dove die Marke für Frauen aller Hautfarben und Figuren ist – entstellt wurde, als der ursprünglich wesentlich längere Werbespot auf drei Sekunden gekürzt wurde. Und, wie auch H&M, nutzt Dove in der Vergangenheit vielfach Bilder und Texte zur Förderung von Diversity. Dennoch – in zahlreichen eindeutig und extrem rassistischen Werbeanzeigen und Comics im vergangenen Jahrhundert wurden dunkelhäutige Menschen mit Seife „rein gewaschen“ und damit in eine „verbesserte“ Ausgabe ihrer selbst – in einen Menschen weißer Hautfarbe – verwandelt. Und Dove war schon im Jahr 2011 aus ähnlichen Gründen ins Kreuzfeuer der Kritik geraten.

                      

Die deutsche Kosmetikmarke Nivea erlebte einen PR-Albtraum, nachdem eine Werbeanzeige für den nahöstlichen Markt mit dem Werbespruch „White Is Purity“ („Weiß Ist Reinheit“) auf Facebook veröffentlicht wurde. Nach heftiger Kritik aus der Öffentlichkeit und Lob von Rechtsextremen entfernte Nivea die Werbeanzeige und entschuldigte sich. Im Jahr 2011 war in einer Werbeanzeige für „Nivea Men“ ein glattrasierter schwarzer Mann abgebildet, der einen Kopf mit einem „Afro“ in der Hand hielt – offensichtlich sein Kopf vor der Pflege mit Nivea – mit dem Werbespruch „Zivilisiere Dich Neu“.

       

Die Sache läuft immer gleich: Unternehmen veröffentlichen unsensibles, beleidigendes Marketing, ernten Kritik, entschuldigen sich mit der Begründung, jegliche rassistischen Untertöne seien unbeabsichtigt gewesen, erlangen ihr gutes Image wieder, und wiederholen die Geschichte (früher oder später).

Im Vorstandszimmer, nicht in der Umkleide, findet sich die Lösung

Wie viel negativer Publizität und finanzieller Einbußen bedarf es bis ein Unternehmen erkennt, dass kulturelle Kompetenz und deren Anwendung bei der täglichen Arbeit – insbesondere auch im Marketing und in der Kommunikation – eine Priorität ist?

Autorin und Aktivistin Michaela Angela Davis beschrieb es treffend: „Im Bereich der Werbung reicht es nicht, wenn eine schwarze Frau mit im Raum ist. Sie muss im Vorstandszimmer sein, nicht nur in der Umkleidekabine.“ Wenn alle elf Vorstandsmitglieder, der CEO und sechs der sieben Mitarbeiter, die auf der Website eines großen internationalen Konzerns – H&M – als „unsere Leader“ dargestellt sind, Weiße sind und Erfahrung mit Leben und Arbeiten in einigen europäischen Ländern und vielleicht noch in den USA haben, dann wird das der kulturellen Vielfalt und Komplexität der Welt einfach nicht gerecht. (Die Geschäftsführung von Beiersdorf bzw. der Marke Nivea, ist ähnlich aufgestellt, während die Geschäftsführung von Unilever bzw. der Marke Dove, wesentlich mehr Diversity bietet).

Die Zahl und Komplexität von kulturellen Unterschieden und Erfahrungen sowie das Potenzial für daraus entstehende Probleme werden weitgehend unterschätzt. Gleichzeitig überschätzen meiner Erfahrung nach häufig Menschen – v. a. die, die international reisen, geschäftlich tätig sind oder für eine begrenzte Zeit im Ausland gelebt haben – ihre Kenntnis anderer Kulturen (und Sprachen).

Im Zeitalter einer hochmobilen Gesellschaft, des Internets und der sozialen Medien sind Marketing und Kommunikation nie auf eine Zielgruppe beschränkt. Stellt ein Handeln einen Angriff auf eine bestimmte gesellschaftliche Gruppe dar oder wird es von dieser als Angriff oder Beleidigung empfunden, so wird es von dieser Gruppe auch (schnell) wahrgenommen, selbst wenn Sie oder Ihre Zielgruppe sich auf der anderen Seite der Erdkugel befinden. Kulturelle Kompetenz ist deswegen heutzutage kein „Nice-to-Have“, sondern eine Priorität. Entscheidungsträger mit vielfältigem Hintergrund einzustellen und diese in die Entwicklung, Besprechung und in den Freigabeprozess mit einzubinden ist kritisch. Und genauso wichtig ist fortgesetztes interkulturelles Training zumindest für die Entscheidungsträger – idealerweise für alle Mitarbeiter – mit einem Top-down-Ansatz, beginnend mit den Geschäftsführern des Unternehmens.

Das Martin Luther King, Jr. Center for Nonviolent Change, oder kurz „The King Center”, fasste dies in seinem Tweet (am 7. Januar 2018) treffend zusammen: „Jedes Unternehmen sollte in Schulungen investieren, die kulturelle Kompetenz und Sensibilität miteinbeziehen. Dies ist eine absolute Notwendigkeit.“

 

Warum Ihr Übersetzer und Ihr Kommunikationsexperte die Landeskultur der Zielgruppe kennen müssen

Warum Ihr Übersetzer und Ihr Kommunikationsexperte die Landeskultur der Zielgruppe kennen müssen

Stellen Sie sich vor, Sie verkaufen ein Produkt (unter anderem) über Ihren Online-Shop. Verkaufszahlen sowie Kundenbewertungen und Medienbeiträge über Ihr Produkt belegen dessen Beliebtheit. Mit diesem Erfolg beschließen Sie, Ihr Produkt auch auf dem US-amerikanischen Markt anzubieten. Nachdem alle Hürden wie örtliche Sicherheitsanforderungen gemeistert und Zollfragen geklärt sind, vermarkten Sie das Produkt online für Ihre amerikanische Zielgruppe. Leider zeigt sich nach einiger Zeit, dass der Erfolg des Produkts auf dem heimischen Markt in den USA nicht repliziert wird, obwohl es die Bedürfnisse und Anforderungen der amerikanischen Zielgruppe erfüllt. Es stellt sich im Nachhinein heraus, dass die Bezeichnung, mit der Sie Ihr Produkt online und in Ihren Pressemitteilungen beworben haben, unzutreffend vom Deutschen ins Englische übersetzt worden war. Sie (oder Ihre PR-Agentur) hatten ein Übersetzungsbüro in Deutschland mit der Übersetzung Ihrer Werbetexte und Pressemitteilungen beauftragt (und mehr oder weniger teuer bezahlt). Zwar waren alle englischen Texte orthografisch und grammatikalisch fehlerfrei; doch war der Übersetzer ganz offensichtlich nicht mit der amerikanischen Kultur und dem amerikanischen Markt vertraut – einschließlich Ihrer Zielgruppe und den Produkten Ihrer amerikanischen Mitbewerber, die beim Vermarkten ihrer Produkte die korrekten, gängigen Produktbezeichnungen zu verwenden wussten.

Beispiele für inkorrekten Wortgebrauch oder eine unglückliche Namensgebung für Produkte auf dem ausländischen Markt gibt es viele. Sei es der Klassiker vom Chevy Nova, den General Motors mit gleichlautendem Namen auf den lateinamerikanischen Markt brachte – zur Belustigung vieler spanischer Muttersprachler: „No va“ bedeutet auf Spanisch „geht nicht“. Oder der Lockenstab vom US-Kosmetikkonzern Clairol, auf dem amerikanischen Markt unter dem treffenden und unverfänglichen Namen „Mist Stick“ erfolgreich vermarktet. Offensichtlich hatte Clairol keine deutschen Muttersprachler zu Rate gezogen, bevor das Unternehmen das Produkt mit selbigem Namen auf den deutschen Markt brachte. Aus leicht ersichtlichen Gründen war der Produktname für den deutschen Markt weniger geeignet.

Wenn es komisch klingt, ist es unprofessionell

Was noch häufiger zu sehen ist – auch wenn vielleicht weniger gravierend als inkorrekte Produktbezeichnungen oder ungünstige Produktnamen – sind Übersetzungen aus dem Deutschen, die in der jeweiligen Zielsprache zwar verständlich, aber nicht authentisch sind.

So bot beispielsweise unlängst ein deutsches Unternehmen in den USA Kunden online einen Gutschein mit Nachlass an beim Kauf von Waren im Gesamtwert von unter $ 49,99: „Save up to $5 off all acquisitions under $49.99.“ Abgesehen davon, dass „save up to $5 off“ inkorrekt formuliert ist (richtig wäre beispielsweise „Get up to $5 off (…) “ oder „Save up to $5 on (…)“) ist „acquisitions“ – auch wenn verstanden wird, was gemeint ist – hier nicht die beste und authentische Wortwahl. Zwar bedeutet „acquisition“ zweifelsfrei „Kauf“; beim Kauf von Produkten wie die des betreffenden deutschen Unternehmens ist jedoch das Wort „purchase“ gängig und der Wortlaut für die entsprechende Werbung in den USA ist in der Regel „Get up to $5 off your purchase under $49.99“ oder „Save up to $5 on your purchase under $49.99“.

Ein deutscher Taschenhersteller beschreibt auf seiner amerikanischen Website eines seiner Produkte – eine Wickeltasche – im Online-Shop mit dieser und mit ähnlichen Formulierungen: „On the inside one finds the standard convenience of a changing mat, accessories pouch (…)“ Eine wortgetreue Übersetzung der deutschsprachigen Produktbeschreibung, wie der Vergleich mit der deutschen Website belegt: „Im Inneren findet sich der gewohnte Comfort von Wickelunterlage, Utensilientasche (…)“. Keine authentische englische Formulierung: Der häufige Gebrauch des unpersönlichen Pronomens „man“ und der passiven Verbform sind typische Merkmale der deutschen Sprache; im Englischen werden anstatt dessen häufiger Personalpronomina und die aktive Verbform gebraucht. Eine authentische englische Formulierung würde an dieser Stelle etwa so lauten: „The interior features a convenient changing mat, an accessories pouch…“ oder „The interior holds (…)“ Auch würde ein amerikanischer Content Writer kaum von „gewohntem Comfort“ schreiben, selbst wenn dies zutrifft. Auf einen Amerikaner wirkt „gewohnt“ durchschnittlich und damit nicht besonders aufregend. Auch wenn es um einen alltäglichen Gebrauchsgegenstand wie eine Wickeltasche geht – in der amerikanischen Kultur sind „fun“, „excitement“ und „größer, schneller, besser“ so viel und so oft wie möglich, auch im Alltag und bei alltäglichen Gebrauchsgegenständen, gefragt.

In Produktbeschreibungen und anderen Marketingtexten für den US-amerikanischen Markt empfiehlt es sich deswegen zu lokalisieren: Inhaltlich stimmen die Informationen des englischen Texts mit dem deutschen überein, die Formulierungen weichen aber vom deutschen Wortlaut ab und entsprechen dem in den USA üblichen Ton, um mit amerikanischen Mitbewerbern zumindest mithalten zu können und die amerikanische Zielgruppe anzusprechen.

Um Texte in der jeweiligen Landessprache für Ihre Zielgruppe richtig und effektiv anzupassen, sind umfassende und aktuelle Kenntnis der jeweiligen Landeskultur und Routine im Schreiben solcher Texte in der betreffenden Sprache unerlässlich.

Nicht lokalisieren kann rechtlich brenzlig werden

Doch nicht nur im Marketing, auch in anderen Bereichen zeigt sich, dass ein Übersetzen von Texten ohne vertiefte und aktuelle Kenntnis der Gegebenheiten und Gepflogenheiten im Land u. U. unangenehme Konsequenzen nach sich ziehen kann.

So wurde ich beispielsweise beauftragt mit dem Lektorat einer recht umfangreichen Stellenausschreibung für eine Position, die am US-Standort eines deutschen Unternehmens zu besetzen war. Die Anzeige war von einem Mitarbeiter des Unternehmens am deutschen Hauptsitz auf Deutsch verfasst und von einem in Deutschland ansässigen Übersetzer ins Englische übersetzt worden. Sie sollte in einigen amerikanischen Medien geschaltet werden. Im deutschen Text der Stellenausschreibung wurde am Ende darauf hingewiesen, dass bei gleicher Qualifikation Bewerber mit Behinderungen bevorzugt würden. Dieser Hinweis wurde entsprechend – sprachlich in jeder Hinsicht korrekt – ins Englische übersetzt. Allerdings ist es nach geltendem Arbeitsrecht in den USA gesetzeswidrig, Bewerber aufgrund von Behinderung (ebenso wie aufgrund von Rasse, Geschlecht, sexueller Orientierung usw.) zu bevorzugen. Nachdem ich den Kunden darauf hinwies, entschied er sich, den betreffenden Satz auszulassen. Wäre die Stellenanzeige mitsamt dem Satz geschaltet worden, hätte dies unangenehme rechtliche Folgen oder schlechte Publizität (oder beides) für den Kunden nach sich ziehen können. Der Übersetzer war sich dieser Gegebenheit, die in den USA anders ist als in Deutschland, wohl entweder nicht bewusst oder aber übersetzte diesen Satz mit, da er mit einer Übersetzung – nicht mit einer Lokalisierung – beauftragt war.

Es zeigt sich, dass auch in anderen Bereichen als Marketing ein reines Übersetzen des Texts oftmals nicht ausreicht, sondern u. U. sowohl sprachlich als inhaltlich fachkundig lokalisiert werden muss.

Warum manchmal selbst E-Mails nicht einfach übersetzt (sondern lokalisiert) werden sollten

Als Beispiele für die Notwendigkeit kulturgerechter Kommunikation in der Unternehmenswelt sind Umfragen und Anschreiben zu nennen. In einem Beispiel stand das deutsche Unternehmen vor der Herausforderung einer geringen Beteiligung v. a. ausländischer Kunden in den vergangenen Jahren an der alljährlichen Kundenumfrage. Bei der elektronischen Umfrage sollten Kunden die Qualität von Produkten und Service des Unternehmens bewerten. Dem Umfragetext ging ein Anschreiben per E-Mail voraus, in dem die Kunden um Teilnahme gebeten wurden – mit den Ergebnissen der Umfrage würde das Unternehmen Produkte und Service den Wünschen seiner Kunden entsprechend optimieren. Es wurde darauf hingewiesen, dass die Umfrage von einem externen Dienstleister durchgeführt und ausgewertet würde und die Auswertungsergebnisse anonymisiert würden, sodass die einzelnen Antworten nicht auf den jeweiligen Kunden zurückzuführen seien. Dabei wurde auch über mehrere Zeilen im Text auf die Analysemethode bei der Auswertung eingegangen.

Ich empfahl dem Unternehmen, das Anschreiben zumindest für seine amerikanischen Kunden zu kürzen und Beschreibungen zu Analysemethode und Auswertung wegzulassen. Anstatt dessen erfolgte nur ein entsprechender kurzer Hinweis im Text zur anonymen Auswertung der Antworten durch einen externen Dienstleister; bei Fragen und für mehr Information dazu könne sich der Kunde gerne an eine Kontaktperson im Unternehmen (die namentlich und mit Kontaktdaten genannt wurde) wenden.

Zwar ist eine entsprechende ausführliche Stellungnahme zu Auswertungsmethoden, die von der Genauigkeit der Auswertung zum einen und von der Wahrung der Anonymität zum anderen überzeugen, für deutsche Kunden durchaus angebracht. Keine oder knappe, vage Angaben zu diesem Thema könnten auf einen deutschen Umfrageteilnehmer unseriös, unprofessionell oder beides wirken und ihn damit von der Teilnahme abhalten. Auf die Mehrzahl der Amerikaner hingegen würde ein solches Anschreiben mit vielen Details und langen Ausführungen abschreckend wirken: „Make it short and sweet“ ist die Devise – bei den vielen Aufgaben im Arbeitsalltag muss priorisiert werden und die Lektüre langer Ausführungen zu den Auswertungsmethoden einer Kundenumfrage gehört nicht zu den Prioritäten. Wichtig ist für den Amerikaner die Frage, warum er Zeit und Energie für die Beantwortung der Umfrage aufwenden sollte. Im Vordergrund stehen sollte deswegen im Anschreiben die kurz, aber effektiv formulierte Erläuterung, dass er – der Kunde – aufgrund seiner Teilnahme von optimierten Produkten und Leistungen profitieren werde. Es sollte dabei auch kurz über den Zeitaufwand der Teilnahme informiert werden: „The survey will take approximately five minutes“ oder „The survey shouldn’t take more than five minutes“.

Weitere Beispiele aus der Unternehmenswelt sind Absagen zu Spendengesuchen: In den USA etwa wird eine Absage in der Regel indirekter und „weicher“ formuliert als in Deutschland üblich. Und – ganz basal – der Briefkopf, der in anderen Ländern teilweise (ganz) anders aufgebaut bzw. angeordnet ist als in Deutschland. Angaben wie „Unser Zeichen/Ihr Zeichen“ oder Angaben zu Bankverbindung und Gerichtssitz wie in Deutschland bei Geschäftsbriefen üblich werden etwa in den Vereinigten Staaten grundsätzlich nicht gemacht. Hier ist es wichtig, dass jeder internationale Standort eines Unternehmens das landesübliche Format verwendet, um professionell zu sein. Selbst wenn Briefe von oder an Personen in einer anderen Sprache versandt werden, empfiehlt es sich aus Gründen der Konsistenz, das landesübliche Format zu wahren.

Finden Sie Übersetzer, die sich mit Lokalisierung auskennen – und geben Sie diese entsprechend in Auftrag

Fazit: Egal, ob es sich um Marketingtexte, Produktbeschreibungen oder -bezeichnungen, Stellenanzeigen oder Unternehmenskommunikation handelt – die unterschiedlichen Gegebenheiten und kulturellen Unterschiede in anderen Ländern sind nicht zu unterschätzen und müssen für eine effektive Kommunikation berücksichtigt werden. Mit diesem Bewusstsein sollte für jegliche Kommunikation ein Übersetzer, Verfasser oder Kommunikationsexperte beauftragt werden, der nicht nur die Zielsprache einwandfrei beherrscht, sondern auch über vertiefte und aktuelle Kenntnis der Landeskultur verfügt.

Der Übersetzer sollte dann nicht lediglich mit dem Übersetzen des Texts beauftragt werden, sondern die ausdrückliche Erlaubnis erhalten, kreativ vorzugehen und inhaltlich und sprachlich zu lokalisieren, wenn und wo notwendig.